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    »Die Geschichte eines
    Neuanfangs - absolut
    emotional und wunderschön.«
    - Daily Mail

    EIN MITREIßENDER ROMAN
    ÜBER DEN NEUANFANG
    INS GLÜCK

Find mich da, wo Liebe ist
Erscheinungstermin: 2.7.2019

Grace stand vor einer großen musikalischen Karriere, bis ein traumatisches Ereignis alles veränderte. Nun repariert sie in ihrem kleinen englischen Dorf Musikinstrumente. Ihr Leben dreht sich vor allem um David, ihre große Liebe. Seit acht Jahren führt Grace mit ihm eine Beziehung, die über alle Zweifel erhaben ist. Und seit acht Jahren wartet sie sehnsüchtig darauf, dass David seine Frau verlässt. Doch dann passiert etwas, das alles in Frage stellt. Kann Grace mit der Hilfe ihres lebenslustigen Lieblingskunden Mr Williams und der durchgeknallt-herzlichen Teenagerin Nadia den Neuanfang wagen?

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Leseprobe

Anstey Harris
Roman
Aus dem Englischen übersetzt von Silke Jellinghaus, Karolina Fell
ISBN 9783548291413
Auch als E-Book erhältlich.

Was wir Cello nennen, heißt eigentlich Violoncello, daher kommt die Abkürzung »Cello«. Es gehört zur Familie der Violinen, während ein Kontrabass genau genommen zur Familie der Violen gehört. Ein Cello besteht aus drei Materialien. Der Körper ist aus Ahorn mit einer Fichtenholzdecke. Das Griffbrett, die Stimmwirbel und der Saitenhalter sind aus Ebenholz. Diese Teile haben eine sehr lange Lebensdauer; Ebenholz ist eines der härtesten Hölzer der Welt. Ahorn und Fichte sind nicht so robust wie Ebenholz, aber sie sind leichter und reagieren auf ganz besondere Weise auf Schwingungen. Das Instrument ist im Grunde eine Resonanzkammer in Form eines Kastens. Kein Instrumentenbauer, und übrigens auch kein Physiker, hat jemals die ursprüngliche Form und die Klangeigenschaften übertroffen, die im Cremona des siebzehnten Jahrhunderts vor den Augen Stradivaris, Guarneris und Amatis Gnade gefunden hätten. Die Vorderseite eines Cellos wird »Bauch« oder »Decke« genannt. Sie besteht aus Fichte. Die F-Löcher sind beidseits des Stegs in die Decke geschnitten und dienen hauptsächlich dazu, die Schallwellen aus dem Körper des Instruments entweichen zu lassen.

Hinter den F-Löchern liegen der Bassbalken und der Stimmstock. Ohne diese beiden Teile kann das Instrument nicht klingen. Der Stimmstock ist ein dünnes Holzstäbchen, das die Decke und den Boden des Resonanzkörpers verbindet und die Schwingungsstärke zwischen den beiden Ebenen moduliert. Der Stimmstock muss millimetergenau eingepasst werden, um Klangtreue erzeugen zu können. Er sitzt etwas unterhalb links vom Steg. Der Bassbalken ist eine gewölbte und geglättete Kiefernholzleiste, die dem Stimmstock und dem Steg gegenüber auf die Innenseite der Decke geleimt wird. Der Bassbalken unterstützt den Stegrücken und verteilt die Schwingungen über die Länge der Decke. Diese Schwingungen verwandeln sich in Klang – in die unverwechselbare Stimme des Cellos.

Kapitel 1

An dem Abend, an dem die Frau ins Gleisbett der Metro fiel, hatten wir uns in Davids Appartement in Paris getroffen. Es war Ende Juli, einer dieser heißen, aufgeladenen Abende, an denen sich der Puls der Stadt bis zur Belastungsgrenze erhöht, während sie sich auf die hastige Abreise im August vorbereitet. Ladenbesitzer scheuchen ihre Kunden mit derselben Eile herum, mit der sie sich an einem der nächsten Tage auf den Weg zur Autobahn machen werden. Kinder sprudeln vor Aufregung, und die Jugendlichen unterhalten sich lautstark in der Sommerhitze. Sie alle werden in weniger als einer Woche aufbrechen und können es kaum erwarten. Ich war nie lange genug in Paris, um das nachempfinden zu können. An diesem Abend hatten David und ich ein Konzert in der Musikakademie besucht. Es war ein Überraschungsgeschenk, eine romantische Geste. »Die sind für dich«, sagte er und schob mir den Umschlag über den Frühstückstisch zu. Darauf stand ›Für Grace‹ in seiner eleganten Handschrift, die geneigten Buchstaben mit dem schwarzen Füller geschrieben, den er immer benutzt. »Du hast zu viel gearbeitet. Und ich«, er stand auf, kam auf meine Seite 10 des Tisches, schlang die Arme um mich und küsste mich, »war ein lausiger Partner.« »Von wegen.« David ist nie ein lausiger Partner. Er denkt an alles und überlässt nichts dem Zufall; auch das macht ihn so wahnsinnig anziehend. Ich öffnete den Umschlag, und bei dem Blick auf das Programm verschlug es mir den Atem. Es hätte nicht besser passen können. David hat die Fähigkeit, Dinge in mein Leben zu bringen, von denen ich nicht einmal weiß, dass sie mir fehlen. »Womit habe ich das verdient?« »Da fällt mir schon was ein«, sagte David, »vielleicht, weil du den ganzen Weg bis hierher gekommen bist, obwohl du wochenlang nonstop gearbeitet hast? Vielleicht, weil du mir zweimal verziehen hast, dass ich nicht zu dir rübergefahren bin? Oder vielleicht einfach, weil du so schön bist.« Er schob meinen Teller weg, der eine Spur aus Aprikosenmarmelade auf dem Tisch hinterließ. Dann zog er mich hoch. »Falls du aber was für die Tickets tun willst, würde mir etwas einfallen.« Lachend verschwanden wir wieder im Schlafzimmer. In der verschnörkelten Pracht der Pariser Musikakademie saß ich mit angehaltenem Atem da, als die besten Schüler des Jahrgangs ihr Abschlusskonzert gaben. Ein junger Cellist, noch keine zwanzig Jahre alt, wurde Corellis ›La Folia‹ so gerecht, dass mir Tränen in die Augen stiegen. Als ich in seinem Alter war, habe ich jeden Tag sechs Stunden geübt, trotzdem konnte ich immer noch nicht so spielen; es lag nicht in meiner Natur. David hatte ein perfekt gebügeltes Taschentuch in seiner Jacketttasche, gab es mir und deutete lächelnd auf die dicken Tränen, die kurz davor waren, über mein Gesicht zu rollen. 11 Wir haben nur drei gemeinsame Tage. Zwei Nächte und drei wertvolle Tage in Paris, bevor ich die zweistündige Zugfahrt nach England antrete und er wieder nach Straßburg fährt. Wir versuchen, diese kurzen Reisen nicht mit zu vielen Unternehmungen vollzustopfen. Stattdessen kochen wir gemeinsam, schlendern über den Markt, suchen Gemüse aus und überlegen, welche Salatsoße wir machen wollen: alltäglich und behaglich, das ganz normale gemeinsame Leben. Wir stehen spät auf und kuscheln uns früh wieder zum Schlafen zusammen. Die meiste Zeit bleiben wir im Appartement, trinken Kaffee auf dem Eisenbalkon oder machen es uns auf den großen Sofas gemütlich und hören Musik. Wir gehen nicht in Restaurants, und wir haben hier keine Freunde; das würde unsere wenige gemeinsame Zeit verwässern, Zeit, die durch ihre Knappheit zur Kostbarkeit wird. Es ist eine Ausnahme für uns, die Metro zu nehmen, gemeinsam mit den Leuten, die nur noch nach Hause und raus aus der Innenstadt wollen. In der Station Porte de Pantin herrscht Gedränge, das war uns klar. Wir hätten abwarten, uns eine Weile vor irgendeine Bar in der Nähe setzen und den Schwalben bei ihrer abendlichen Mückenjagd zusehen können, aber wir wollten zurück. Ich fahre morgen Nachmittag ab; unsere gemeinsame Zeit ist so kurz, auf so wenige Momente konzentriert, dass uns sogar das herrliche Konzert wie ein kleiner Verrat erschienen ist. David nimmt mich an die Hand, und wir zwängen uns zwischen den anderen Passagieren durch. Wir gehen die weiß gekachelten Gänge hinunter in den Bauch der überfüllten Station. Über dem Bahnsteig hängt der Geruch von heißem Maschinenöl, der Geist eines Metrozuges. Auf der altmodischen Hinweistafel laufen die Anzeigen durch; der nächste Zug kommt gleich. Wir stellen uns darauf ein, uns durch die Menge zu drängeln, vorbei an Mädchen mit unglaublich dünnen Beinen 12 in bunten Hosen, jungen Männern in Jacketts, deren Ärmel sie mit einer einzigen perfekten Faltung zurückgeschlagen haben, sodass ihre schmalen Handgelenke zu sehen sind, alten Frauen in Gabardine-Regenmänteln. Vor uns, beinahe direkt an der Bahnsteigkante, steht eine Frau. Sie trägt eine Art indisches Shalwar Kamiz in Schwarz und ein schimmerndes golddurchwirktes Tuch über Kopf und Schultern. Es passiert viel zu schnell. Ich bekomme die Reihenfolge der Geschehnisse gar nicht mit, von ihren Folgen ganz zu schweigen. In dem einen Moment steht sie da, die Füße parallel zu meinen, ihre Schultern und ihr Kopf auf einer Höhe mit meinen, und im nächsten Moment ist sie verschwunden. Sie sackt zusammen wie bei einem Zaubertrick. Ich sehe ihre Knie einknicken, habe schon vor Augen, wie ihr Kopf auf dem Boden aufschlägt, und bin trotzdem nicht schnell genug, um sie aufzufangen. In diesem Bruchteil einer Sekunde habe ich nur eine Vorahnung, ich handele nicht. Aber da ist kein Boden, auf den sie aufschlagen könnte. Sie stand ganz vorn an der Bahnsteigkante. Jemand schreit, und ich höre den einfahrenden Zug herangrollen. Ich schaue vor meine Füße, auf das Gleis dort unten, wo Mäuse huschen, auf ihren bewusstlosen und zusammengerollten Körper, in dem schwarz verdreckten Gleisbett. Neben ihr ist David. Weitere Schreie. Nicht meine, aber sämtliche Leute um mich schreien. Sie rufen Worte, die ich nicht verstehe. Ich bin vollkommen erstarrt. »Oh mein Gott! Hilfe! Wir brauchen Hilfe!«, ruft David auf Französisch zum Bahnsteig herauf. Er ist halb aufgerichtet, ein Knie gebeugt und den Fuß gegen die Schiene gestemmt, mit dem anderen, gestreckten Bein steht er mitten im Gleisbett. Er 13 hat die Frau in den Armen, umschließt sie wie ein Baby, ihr Kopf hängt herunter, und ihr Tuch schleift über das Gleis. Das Grollen des Drachens im Tunnel wird lauter. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Wenn ich daran zurückdenke, nehme ich an, dass der machtlose Zugführer sie im Scheinwerferlicht sehen konnte. Drei oder vier Männer knien sich an die Bahnsteigkante. Sie heben die Frau aus Davids Armen und geben sie nach hinten weiter. Wieder habe ich sie direkt vor mir. Sie fassen David unter den Armen und Schulterblättern und hieven ihn nach oben, ein oder zwei Sekunden, bevor der Zug mit kreischenden Bremsen an genau der Stelle zum Halten kommt, an der sein Schatten noch präsent ist, an der seine Schweißtropfen auf den Gleisen schimmern. Die Frau ist bewusstlos, und die Leute um sie herum machen einen Riesenwirbel.

Sie liegt auf dem Rücken, und so wie ihre Gewänder jetzt fallen, erkenne ich, dass David nicht nur ein Leben gerettet hat, sondern zwei.



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© 2019 by Anstey Harris
© der deutschsprachigen Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2019

#findmichdawoliebeist




Anstey Harris

In ihren Texten will Anstey Harris beweisen, dass das Leben wundervoll ist – und dass wir alle das Glück finden können, wenn wir nur am richtigen Ort danach suchen (und meistens liegt es näher als wir denken). Die Autorin unterrichtet Kreatives Schreiben an der Canterbury Christ University. Einige ihrer Kurzgeschichten wurden veröffentlicht, sie wurde mit dem HG Wells Shorts Story Award ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann, von dem sie alles über den Bau von Geigen gelernt hat, und zwei Hunden direkt am Meer in Kent, England.

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© Andrew Hayes-Watkins

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